Wer will, findet Wege. Wer nicht, Ausreden.



Fast könnte man meinen, ich hätte mit dem Thema "Warum man den spirituellen Weg gehen sollte", über das ich letzte Woche geschrieben habe, einen Angriff auf das Leben einzelner Mitbürger*innen starten wollen. Das ist bestimmt nicht meine Absicht! Aber einige der Reaktionen fand ich schon bemerkenswert. Ich schreibe hier darüber, damit auch du möglicherweise erkennen kannst, welche Ausreden dein Ego so parat haben könnte, wenn du dich aufmachst:

  • Ich kann doch jetzt nicht mein gesamtes Leben ändern! Wie stellst du dir das denn vor?

  • Dafür habe ich keine Zeit (resp. kein Geld!)

  • Meine Mutter ist krank - ich pflege sie und sie braucht mich rund um die Uhr.

  • Die Familie beansprucht mich total. Da kann ich jetzt nicht machen. Ich warte damit, bis die Kinder größer sind.

Am besten fand ich: "Es gibt doch wirklich Wichtigeres!"

Das habe ich schon so oft gehört. Wenn ein Mensch seine Prioritäten festgezurrt hat - was kann man da noch sagen? Dann ist es eben so. Es ist aber auch eine super klassische Reaktion des Egos.

Das will einfach nicht, dass sich sein Mensch auf den spirituellen Weg macht.


Fragst du dich, warum das so ist? Um das zu verstehen, müssen wir uns kurz daran erinnern, dass wir mehrdimensionale Wesen sind. Wir besitzen nicht nur einen physischen Körper. Sondern darüber hinaus sind wir Seele. Und wir denken. Das ist unser Mental-Körper. Das, was er denkt, führt zu Reaktionen im Körper. Das nennen wir dann Gefühle. Sie werden von unserem Emotional-Körper in unser System abgegeben.


Sind wir uns dieser unterschiedlichen Aspekte, die unser menschliches Sein umfasst, bewusst, gibt es relativ wenige Probleme. Was ist nun aber das Ego? So wie ich es verstehe und meinen Klient*innen erläutere, ist es unsere künstliche Persönlichkeit. Sie wird vom Moment der Geburt - bzw. auch bereits davor - geformt.


Das ist übrigens ziemlich normal! Das, was ich hier beschreibe, ist jetzt nicht ein genetischer Defekt oder so was. Nein, wir kommen auf die Welt - und die Welt beginnt sofort, uns zu betrachten. Frisch geborene Säuglinge werden von allen Seiten betrachtet, ob mit ihnen auch "alles in Ordnung" ist. Die Eltern schauen, die Verwandtschaft vergleicht ("Ganz der Papa!"). Von Beginn an sehen wir uns nicht so, wie wir sind, sondern wie wir von anderen gesehen werden. Wir starten in ein Leben quasi als Objekte der Erwartungen anderer und spiegeln uns in ihren Augen und ihren Reaktionen. Nochmal: Das geht uns allen so! Aber nur, weil alle es so machen bzw. sich niemand damit ernsthaft auseinandersetzt, was das mit heranwachsenden Menschen macht, heißt das ja nicht, dass das gesund ist. Es ist normal, aber für die Gesamtentwicklung eines Menschen sicher nicht förderlich.


Wir schauen also in die Augen der anderen, unserer Eltern, unserer Erzieher, vielleicht auch unserer religiösen Autoritäten, unserer Peer-Group und so weiter - und versuchen, ihren Erwartungen an uns irgendwie gerecht zu werden. Kurz, wir passen uns an. Würde man uns gleich erklären, dass das passiert, dann könnten wir uns besser darauf einstellen. Wir könnten lernen, eine Wahl zu haben, welche Erwartungen sinnvoll und für uns nützlich sind - und welche vielleicht nicht. Aber so prasseln Erwartungen von alen Seiten auf uns herab. So entsteht das Ego, die künstliche menschliche Persönlichkeit, die wir sind.


Habe ich mal als Kind gelernt, dass alle mich lieb haben, wenn ich "es" so mache, wie alle "es" machen, dann möchte ich diese Zuneigung natürlich nicht mehr verlieren. Wir strengen uns arg an. Dass sich manche Erwartungen widersprechen, fällt uns möglicherweise erst später im Leben auf. Und dass wir uns weder zufrieden noch gesund fühlen - nun, auch das sickert erst nach und nach ins Bewusstsein.

Wenn uns aber irgendwann im Leben "ein Licht aufgeht", wir etwas verändern wollen und wir uns auf den Weg des Herzens oder der Seele machen, dann kann sich das wie ein Verrat am "alten" Weg anfühlen. Wenn das Credo der Gesellschaft lautet: "Mach es wie ich!" - und du fängst an, es anders zu machen, dann wird deine von der Gesellschaft geformte Persönlichkeit - dein Ego - natürlich rebellieren. Es wird sich für dich anfühlen, als würden zwei Herzen in deiner Brust schlagen. Du wirst - zunächst - auf wenig Gegenliebe für dein Projekt "Ich gehe meinen spirituellen Weg" stoßen.


Dein Ego signalisiert dir: "Achtung, Gefahr!" Wenn du dich auf unbekanntes Terrain begibst, dann ist dein Ego verwirrt. Es kann dir nicht sagen, was du tun sollst - und weil es das nicht kann, versucht es dich, davon abzubringen. Es appelliert an deine Hilfsbereitschaft, deine Aufopferungsbereitschaft, deinen Teamgeist, dein Engagement, deinen Sinn für die Allgemeinheit, und daran, dass du ja wohl kaum dein eigenes Wohl über das Wohl aller anderen stellen solltest.


Versteh mich nicht falsch! Den spirituellen Weg zu gehen, hat rein gar nichts mit kaltem Egoismus zu tun. Sondern mit bewusster Abgrenzung von einem Leben, dass für dich nicht das gehalten hat, was es versprochen hat. Mit Selbstliebe. Du hast jedes Recht der Welt, in dein Innerstes vorzudringen und herauszufinden, was DU möchtest und was DICH langfristig zufrieden werden lässt.


Dabei ist der Weg das Ziel. Es geht nicht darum, von heute auf morgen dein Leben radikalst zu verändern. Obwohl das einige tatsächlich tun. Es geht darum, Schritt für Schritt dich deinem wahren SEIN anzunähern, mehr Zeit- und Ruhe-Räume für dich zu schaffen, eine kleine Zeitinsel nach der anderen. Das kostet ja auch erstmal nix, nicht wahr?


Solltest du dich damit unwohl fühlen oder nicht wissen, wie du am besten anfängst, nun, ich stehe dir sehr gerne mit meiner jahrzehntelangen Erfahrung und Expertise als deine spirituelle Wegbegleierin zur Verfügung. Ich würde mich freuen, wenn du dich meldest.


Licht und Liebe, Corinna


Ich bedanke mich bei Pixabay.com für die hier verwendeten Fotos!



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© 2020 Corinna Agrusow-Randt

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